Auch Digital Natives werden älter. Und wer pflegt uns dann? Schon heute ist der Fachkräftemangel in der Kranken- und Altenpflege groß, zur Zeit sind deutschlandweit fast 40 000 Stellen unbesetzt. Der demographische Wandel wird aller Voraussicht nach weiter zu diesem Problem beitragen, und die schlechten Arbeitsbedingungen haben sich mittlerweile so weit herumgesprochen, dass sich kaum noch Schulabsolventen finden, die einen der Pflegeberufe ergreifen wollen.

Kein Allheilmittel, aber eine Lösung, die gleich mehrere dieser Probleme adressiert: der Pflegeroboter. Unter dieser ziemlich unglücklich gewählten Bezeichnung werden in Deutschland mobile Systeme zusammengefasst, die auf irgendeine Art und Weise bei der Pflege helfen. Im englischsprachigen Raum ist man differenzierter: Hier kennt man „Companion Robots“, die der psychosozialen Betreuung und auch einfach der Unterhaltung und dem Zeitvertreib dienen. Hierzu zählen beispielsweise der bekannte Pepper, die etwas kleinere Zora und auch die Schmuserobbe Paro. Die „Service Robots“ packen dagegen tatsächlich mit an und helfen beispielsweise beim Abräumen von Geschirr. Auch ist die Grenze zwischen Robotern und autonomen Fahrzeugen fließend – letztere können auch weite Strecken selbstständig navigieren und liefern beispielsweise Essen oder Wäsche aus. Und schließlich können Haushaltsroboter, wie wir sie schon aus unserern Häusern kennen – etwa autonome Staubsauger – auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen zum Einsatz kommen, aufgerüstet zum Beispiel mit der Möglichkeit zur UV-Desinfektion.

Die oben genannten Beispiele zeigen schon: Kein existierender Roboter kann eine Pflegefachkraft ersetzen, jedes Modell ist vielmehr auf eine konkrete Aufgabe spezialisiert und kann in diesem Bereich menschliche Mitarbeiter entlasten.

Konkrete Erfahrungen hierzu werden auch bei uns im Ruhrgebiet gesammelt: Das vor kurzem gegründete Forschungs- und Praxiszentrum „Humanoide Robotik & KI in der Pflege“ (www.robotik-pflege.de) ist eine Kooperation mehrerer Partner aus Industrie und Wissenschaft in der Region – darunter die Hamburger Fernhochschule (HFH) in Essen, Management4Health und Ruhr-Universität in Bochum, die Medizintechnik-Firma Ontaris aus Wuppertal und der Robotik-Dienstleister ShowbotiXX aus Remscheid. Hinzu kommen überregionale Partner wie die TU Clausthal und eine internationale Vernetzung in Form der Humanoid Robotics Research Platform (Dänemark, Litauen, Niederlande und Hongkong).

Die beste Praxistauglichkeit hat sich bisher für Companion Robots gezeigt: Pepper ist bereits in diversen Altenpflegeeinrichtungen in Pilotprojekten unterwegs und wurde von Bewohnerinnen und Bewohnern überwiegend mit großer Begeisterung aufgenommen. Die Pflegekräfte berichten eine deutliche Entlastung, und entgegen weitverbreiteter Befürchtungen wirke der Einsatz von Pepper keineswegs sozial isolierend: Bewohner, die zuvor nach dem Mittagessen einsam auf dem Balkon geraucht hätten, würden es nun vorziehen, an Bewegungs- und Gedächtnisspielen mit Pepper in der Gruppe teilzunehmen.

Dabei sei die Interaktion mit Pflegerobotern kein Pflichtprogramm für die Bewohner, und auf den Erhalt der Privatsphäre werde großen Wert gelegt. Die Projektpartner führten sorgfältige Datenschutz-Folgenabschätzungen durch, wie von der DSGVO gefordert – oft Pionierarbeit, da die DSGVO in vielen Fällen wenig konkret ist und auch von den Aufsichtsbehörden erst einmal interpretiert werden muss.

 

Möglich ist es sogar, dass der Einsatz von Robotern in der Pflege auf lange Sicht von einigen Patientinnen und Patienten als taktvoller und schützender für die Privatsphäre wahrgenommen wird als die Interaktion mit menschlichem Pflegepersonal. So berichten Pflegekräfte schon heute, dass Patientinnen und Bewohnerinnen sich nicht beim täglichen Waschen helfen lassen möchten, wenn nur männliche Kollegen für diesen Dienst eingeteilt sind. Dies gilt umso mehr, wenn Patientinnen aus noch konservativeren Kulturen wie beispielsweise dem arabischen Raum zugewandert sind.

Realistischerweise sind wir von der Entwicklung eines Roboters, der so feinfühlig ist, dass er beim Waschen helfen kann, noch weit entfernt. Selbst die Entwicklung von Robear – einem humanoiden Roboter, der Patienten auf den Arm nehmen und umlagern kann – wurde Ende 2018 wegen mangelnder Akzeptanz eingestellt. Und schließlich müssen praktikable und menschlich einwandfreie Handlungsrichtlinien gefunden werden, um zu vermeiden, dass zukünftig vielleicht mögliche echte Roboterpflege aus Kosten- und Effizienzgründen den menschlichen Kontakt vollständig ersetzt.

Mit all diesen Fragen – und noch weiteren – beschäftigt sich das Praxiszentrum, das über seinen Sprecher Ingolf Rascher (Management4Health und Ruhr-Uni Bochum) kontaktiert werden kann. Für Startups, die in den Bereichen Künstliche Intelligenz und/oder neue Technologien im Gesundheitswesen aktiv sind, kann die Mitarbeit spannend werden. Denn: Welche Region in Deutschland hat mit der hohen Dichte an Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bessere Chancen, auf dem Gebiet der Robotik und KI in der Pflege führend zu werden? Rascher dazu: „Mitmachen ist erwünscht!“

Gastbeitrag von Dr. Christina Czeschik

Quelle

 

Der digitale Praktikant der Caritas Moers stellt sich im Rahmen der 50 Jahrfeier der Öffentlichkeit vor.

Der digitale Praktikant der Caritas Moers stellt sich im Rahmen der 50 Jahrfeier der Öffentlichkeit vor.

Die AG Robotik NRW trifft sich im Roboterrstaurant  „Neue Epoche“ in Moers und bespricht das weitere Vorgehen.

Themen waren insbesondere:

  • Datenschutzrechtliche Fragestellungen und die Musteranmeldungen (DSFA) für den Praxiseinsatz
  • Der Prozess: „Begleitung und Unterstützungsdienste mit Dokumentationsmöglichkeit – Pflegeassistenz“ wurde beschlossen
  • Der Arbeitspunkt „Wirkung auf Teilnehmende“ soll durch die Forschungspartner intensiviert werden
  • Der Roboter TEMI wurde als nächste Plattform vorgestellt
  • Leitthema für das weitere Vorgehen: Der verantwortungsvollen Umgang mit der Robotik geht vor schnellen Lösungen
(Foto Matthias Alfringhaus; im Bild Rainer E Becker und Matthias Hofmann von ShowBotiXX sowie Heinrich Recken vom Studienzentrum Pflege und Gesundheit der HFH)
(Foto Matthias Alfringhaus; im Bild Rainer E Becker und Matthias Hofmann von ShowBotiXX sowie Heinrich Recken vom Studienzentrum Pflege und Gesundheit der HFH)
(Foto ShowBottiXX)

AG Robotik im Demenzhaus ASB OberhausenDer digitale Patient im Demenzhaus ASB Oberhausen

Mehr Pflegezeit duch Digitalisierung - NRZ

AG Robotik im Demenzhaus ASB Oberhausen

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